Malt Whisky „Wasser des Lebens“

Wir kennen dieses köstliche Nass heute unter dem Namen Whisk(e)y. Genauer gesagt, geht es hier allein um Scotch Single Malt Whisky.

Ein Getränk, welches sich seit einigen Jahren eines Booms erfreut, der entgegengesetzt proportional zur Konjunkturentwicklung in Deutschland steht. Land auf, Land ab haben sich Clubs und Vereine gegründet, die Whisky verkosten, Whisky diskutieren und ihre Meinung darüber ins Internet stellen.

Der gutsortierte Lebensmittel-Einzelhandel kann auf gewisse Standardabfüllungen nicht mehr verzichten, sofern er „hipp“ sein will. Weinhändler bieten plötzlich, getreu ihren Vorbildern aus der Gründerzeit des Blended Scotch, mehr Whisky als Rebensaft an und Glasbläsereien entwerfen Snifter in den tollsten Formen. Der ordinäre Whisky-Tumbler ist ohnehin schon lange ins Badezimmer zu den Zahnputzgläsern verbannt worden. Bereits Humphrey Bogart kam zu der Erkenntnis: „Ich hätte niemals vom Scotch zu den Martinis gehen sollen“.

Eigentlich ist es ja nicht weiter verwunderlich, dass das Spitzenprodukt Schottlands der Natur entstammt. Gelegenheit zur Entwicklung bekamen sie ja nicht, die Pikten und Kelten. In den ersten Tausend Jahren A.D. wurden sie nicht nur von den Römern heimgesucht (die kamen, Gott sei Dank, nicht weit), Wikinger, Sachsen und Piraten taten ihr übriges, um das Land klein und arm zu halten. Schließlich kamen dann die Briten, was sich wiederum bis in das Jahr 1746 hinzog, bis zur großen Niederlage der Schotten um „Bonnie Prince Charly“ bei Culloden. Was den Schotten blieb, waren zwei größere Städte und eine riesige Menge an wunderschöner Natur. Ein Master Distiller hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Es liegt Magie darin. Wir arbeiten mit der Natur, mit lebenden Elementen. Wir sind Komponisten.

Was könnte mehr Befreiung schaffen, was kreativer sein?“ Es ist ja alles ganz einfach, oder? Man benötigt eine gute schottische Gerste, weicht diese ein und legt sie anschließend zum Keimen auf den Mälzböden aus. Am richtigen Punkt wird die Keimung durch die Zufuhr von Hitze oder Rauch (auch Torfrauch) gestoppt. Die nun folgenden drei Durchläufe der Einmaischung wandeln die Stärke im Gerstenkorn in Malzzucker um, die Basis, für den Alkohol. Die folgende alkoholische Gärung, wird durch die Hefe in Gang gebracht. Das dabei entstehende pot ale wird in zwei, manchmal drei Durchgängen in sogenannten pot stills, den Brennblasen, destilliert und sodann auf Fässer abgefüllt und in die Lagerhäuser verbracht, wo der high wine viele Jahre schlummert, bevor er mit zwei bis sechs anderen Whiskys aus der gleichen Destillerie vermählt und (meistens) auf Trinkstärke verdünnt wird. Zum Einsatz kommen also nur Gerste, frisches Quellwasser und Hefe.

Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich die Beschreibung der Herstellung aus Platzgründen nicht weiter ausdehnen kann. Normalerweise spreche ich etwa drei Stunden über dieses Thema.

Das Verfahren ist überall das Gleiche, aber jeder Malt Man und Master Distiller hat sein eigenes kleines Rezept für die Herstellung des Gerstenmalzes, die Befeuerung der Kilns, die Trocknung der Gerste, für das Einmaischen, die Gärung, die Destillation und natürlich die Fässer und die Lagerung. Es ist eine wirkliche Freude zu sehen, wie viel Zeit sich ein Still Man bei der Beurteilung seines Brandes nimmt und mit welcher Sorgfalt er, meistens noch von Hand, das Herzstück des Brandes von Vor- und Nachlauf trennt.

Der Boom wird natürlich von den großen Konzernen ausgenutzt. Es erscheinen immer mehr Abfüllungen auf dem Markt, die das Herz des Whiskyfreundes erfreuen und mir einige Platzprobleme in der Bar bereiten. Kaum zu glauben, das ein Destillat, welches in Schottland im Jahre 1494 seinen Anfang nahm und über die Jahre hinweg vielfach als Medizin gedient hat (und noch als Alibifunktion für innere Anwendungen gilt) heute einen solchen Kult ausgelöst hat.

Auch Ernest Hemmingway hat ein Alibi für seinen Whiskykonsum verwendet: „Für den Fall eines Schlangenbisses sollte man stets eine Flasche Whisky dabei haben. Außerdem sollte man immer eine Schlange dabei haben“.

Noch interessanter wird die Materie, wenn man sich mit ihrer Geschichte beschäftigt, die bunt, skurril und fesselnd ist. Zwischen in Whiskyfässern und Maischebottichen ertrunkenen Brennereigründern spuken noch heute ehemalige Master Distiller durch die alten Mauern. Schwarzbrennen wurde zum Volkssport. Rob Roy nistete sich für Tage in dem Baum bei einer Destillerie ein. Brennereikatzen stehen im Guinness-Buch der Rekorde und, und…

Wenn ich meine Ergüsse an dieser Stelle nicht stoppe, bleibt kein Platz mehr für die Speisen- und Getränkekarte und Gerd erteilt mir Hausverbot. Bleibt mir nur noch zu sagen, dass Sie, falls Sie diese Zeilen im Sherry & Port lesen, einfach einmal einen Highlander oder Lowlander probieren sollten.

Auch die Damen sollten keine Scheu vor diesem „harten“ Getränk zeigen, sagte doch bereits Oscar Wild: „Die Emanzipation der Frau ist nicht mehr aufzuhalten, seitdem die Damen dazu übergegangen sind, den Whisky nicht mehr heimlich zu trinken“.

Zum Schluss noch einen schottischen Trinkspruch:

„Dir wünsche ich Gesundheit und eine langes Leben, die Frau Deiner Wahl, und dass Du schon eine halbe Stunde im Himmel bist, bevor der Teufel merkt, dass Du tot bist.“

 

 

Ziemlich genau auf den Tag vor zwanzig Jahren hat Alexander bei uns im Sherry & Port das erste Mal in die Gastronomie reingeschnuppert und Spaß daran gefunden. Heute managt Herr Alexander Riehn als Hoteldirektor das „Dehner Blumenhotel“ in Rain, nördlich von Augsburg. Stolz ist er darüber, dass seine Hotelbar das größte Whisk(e)y-Sortiment unter deutschen Hotelbars umfasst, beachtliche 240 verschiedene Abfüllungen. Seine Begeisterung für Whisk(e)y ist so groß, dass er Seminare zu diesem Thema abhält und Degustationen organisiert und sich jährlich mindestens eine Woche in Schottland weiterbildet. Mit großer Freude hat er den Leitartikel für unseren Evening Star No. 68 aus dem Jahr 2004 geschrieben.

 

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