Der Biergarten – kein Ort, ein Lebensgefühl

Wie das Bier in den Biergarten kam…

Bier, Klöster und Mönche sind untrennbar geschichtlich miteinander verbunden. Fast in jedem Kloster wurde auf Teufel komm raus gebraut. Und dies aus gutem Grund: in der Fastenzeit war das Essen verboten, nicht aber das Trinken. Die Qualität der klösterlichen Biere sprach sich schnell herum und gar mancher Wirt blieb auf seinem Selbstgebrauten hocken.

Die Kenner zog es vor die Klostermauern und zum Bier. Denn das war ja das Dolle daran – das Bier der Mönche schmeckte nicht nur, es kostete auch nichts. Denn das war – leider heute nicht mehr – Pflicht, Wanderer, Pilger und Gläubige mussten kostenlos mit Speis und Trank verpflegt werden. Dieses „Freibier“ durfte allerdings nicht innerhalb der Klöster ausgeschenkt werden. Vor den Mauern, idyllisch unter Bäu- men, hier kam es zum Ausschank. Und hier liegen auch die Wurzeln der Biergärten. „Maßvoll Trinken“ oder „in Maßen genießen“ beinhalten doch Doppelsinnigkeit, beachtet man die Anordnung, die Abt Ekke- hard von St. Gallen erließ: „Für alle Klosterinsassen sind täglich sieben Essen mit reichlich Brot und fünf Zumessungen von Bier erlaubt.“ Aus der Zumessung entstand spä- ter die „Maß“; fünf Maß waren Klosterbrauch. Wie viel diese Maß jedoch maß – das schwankte von Kloster zu Kloster – zwischen einem und zwei Liter. Täglich! Und damit ließ sich manche Fastenzeit ertragen. „Ich geh ins Kloster“, mag gar mancher gestandener Biertrinker in jenen Tagen gesagt haben.

Wann die „Kneipenkultur“ in Deutschland entstand, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Gasthäuser gab es schon recht früh. „Taberna“ oder „Tabernac“ – so nannten die Römer die Wirtshäuser, die entlang der Fernstraßen, die das Reich durchzogen, standen. Auch im besetzten Germanien gab es solche Lokale, die Tavernen. Die Römer vertrieb man, die Tavernen behielt man. Kneipenschilder und Leuchtreklame kannte man damals noch nicht. Trotzdem fand man Mittel und Wege nach Außen zu zeigen: hier gibt’s Bier, hier gibt’s was zum Essen. „Wo ́s Sträußchen hängt, wird ausgeschenkt“ – die- ser Spruch stammt eben aus jenen Tagen. Hing eine Schweinsblase mit einem Kranz außen, hieß dies nichts anderes als: Hier gibt’s Schlachtplatte mit Bier!

In den warmen Jahreszeiten spielte sich das Leben der Gasthäuser und Tavernen im Freien ab. Man zechte und speiste vor dem Gasthaus, ließ sich die Sonne auf den Pelz brennen oder suchte den kühlen Schatten der Bäume. Man saß also im Biergarten.

Mit der Industrialisierung, dem Anwachsen der Großstädte wuchs auch die Bedeutung der Biergärten. „Hinaus ins Grüne“, wollte man schon damals und so zogen ganze Heerscharen am Wochenende vor die Tore der Städte um im Biergarten dem Alltag zu entfliehen. Die feinere Gesellschaft hatte auch ihre Vergnügungsgärten, meist jedoch inmitten der Städte. In gepflegte Parkanlagen wie im Nerotal, Goldsteintal, in Biebrich, Schierstein und auf dem Neroberg, hier lagen in Wiesbaden die großen Biergärten. Die einen für die betuchtere, die anderen für die arbeitende Gesellschaft. Manche dieser Biergärten erlaubten das Mitbringen von Speisen und Getränken. Dies wurde allerdings mit einem „Stoppegeld“ belegt und entsprechend kassiert. Biergärten haben also schon eine lange Tradition. Auch der Ort an dem wir uns gerade befinden, die prachtvolle Adolfsallee, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Einst als Paradestraße der nassauischen Fürsten gebaut, sollte sie in den 60er Jahren zu einer fünfspurigen Schnellstraße ausgebaut werden. Erst durch eine Initiative der Anwohner und der Einsicht der Städteplaner wurde sie in der heutigen Form konzipiert und umgestaltet. Schon in den damaligen Plänen sollten Freiräume Treffpunkte für Anwohner und Freunde bilden – der Brunnen in der Mitte der Allee bot und bietet sich bis heute hierfür an. Schöne satte Kastanienbäume, warme Sommerluft, der plätschernde Brunnen, Menschen die friedlich beisammen sitzen, mit Füßen im Wasser spielen, reden, lachen, trinken, lesen, sich entspannen und verwöhnen lassen. Natürlich trinkt man in Biergärten Bier, aber auch Äppelwoi, Radler , Wein oder etwas Alkoholfreies. Vor allem aber geht das Ganze entspannt vonstatten. Zumindest für die Gäste… Wer im Biergarten sitzt, hat keinen Termin, muss nicht irgendwohin oder ist im Stress.

Im Biergarten sitzt man untertags oder am Abend und genießt, wie die Zeit vergeht – denn so viel Zeit muss ganz einfach sein. Wir freuen uns sehr, dass Nachbarn, Gäste und Freunde sich regelmäßig in den Sommermonaten bei uns treffen und die mediterrane Atmosphäre genießen – bei uns ausspannen, sich wohlfühlen und für einen kurzen Moment dem Alltag entfliehen. Jetzt wünschen wir Ihnen und uns einen schönen, langen Sommer mit vielen sonnigen Momenten und angenehmen Stunden bei uns.

Mit gastfreundlichen Grüßen

Ihr Gerd Royko und das gesamte Sherry & Port Team