India Pale Ale – Ein Bierstil macht Furore

Allerorten ist zu hören, dass eine neue Bierrevolution durch Deutschland rollt. In Szenelokalen und Blogs schon länger ein großes Thema, kommt neuerdings kaum eine Tageszeitung ohne Artikel zum Thema Craft Beer aus. Sogar das Handelsblatt wartete jüngst mit einer großen Reportage auf.

Haben wir Deutsche nicht das Reinheitsgebot und das beste Bier derWelt? Fragt man im Ausland, für was Deutschland bekannt ist, so ist „Bier“ immer als Antwort mit dabei. Mangelnde Erfolgsmeldungen deutscher Biere auf internationalen Wettbewerben sprechen allerdings eine andere Sprache. Kaum mehr als Achtungserfolge waren in den letzten Jahren zu verbuchen.

Noch dazu ist der Bierkonsum in heimischen Landen seit Jahren rückläufig. Haben wir durch das Fernsehbiereinerlei den Anschluss und die Begeisterung am Bier verloren? Und was steckt hinter der Craft Beer Revolution? Vor kurzem ging die Ankündigung des US Craft Beer Stars „Stone Brewing“ durch die Szene, dass Deutschland aus einer brandneuen Brauerei in Berlin mit dem edlen handwerklichen Bier nach US Vorbild beglückt wird.

Von außen scheinen wir reif für eine neue Bier Revolution. Gleichzeitig melden sich kreative Start-Ups und mutige etablierte Brauer in dem vom Reinheitsgebot geschützten Deutschland zu Wort und machen durch innovative Bierkreationen auf sich aufmerksam. Gemein ist allen der Mut zu neuer geschmacklicher Vielfalt und hochwertiger Qualität. Wahrhafte „Craft Brewer“ sind allerdings nur jene, die ganz klein anfangen und sich vollkommen unabhängig den Ruf der Originalität und Besonderheit erarbeiten. Reichte das bisherige Vokabular völlig aus, um ein Pils, Kölsch oder vielleicht noch ein Guinness zu bestellen, so muss sich der Craft Beer Neuling nun mit India Pale Ale, Honig Bock, Porter, belgisches Wit oder Sauerbier befassen. Der Bierstil, der schon die US Craft Beer Revolution groß gemacht hat und der auch in hiesigen Landen größte Anziehung in der jungen Szene ausübt, ist das India Pale Ale. Grund genug, dem schon umfangreichen Bierangebot im S&P ein Stück Vielfalt aus der neuen deutschen Bierwelt hinzuzufügen: Ein India Pale Ale (auch IPA gesprochen Ei Pi Ey) aus dem Haus des jungen Craft Beer Start-Ups KUEHN KUNZ ROSEN aus Mainz.

Seinen Ursprung hat das IPA in England um das Jahr 1790. Zu dieser Zeit hatte England seine indischen Kolonien etabliert und man brauchte ein Bier, das in keinem Haushalt fehlen durfte. Diese Nachfrage zu befriedigen, war eine echte Herausforderung. Die Herstellung von Bier vor Ort war aber aus technischen (es gab noch keine Kühlung), hygienischen (das indische Wasser war unbrauchbar) und logistischen Gründen (die Rohstoffe waren nicht verfügbar) unmöglich. Also versuchte man das Bier über den Seeweg zu importieren, was aber aufgrund der langen Transportwege misslang. Das Bier kam sauer, schal und nicht trinkbar in Indien an. Was für eine Enttäuschung! An dieser Stelle tritt nun ein gewisser George Hodgson auf den Plan, ein Brauer aus Burton-upon-Trend. Er hatte die geniale Idee, eine Pale Ale (helles obergäriges Bier) mit mehr Alkohol und mehr Bitterkeit (mehr Hopfengabe) einzubrauen. Sowohl der höhere Alkoholgehalt als auch der Hopfen, mit seiner antibakteriellen Wirkung, schützten das Bier vor dem Verderben. Zusätzlich ließ er das Bier in England einige Monate reifen, um allen Zucker vollständig zu vergären und füllte Rohhopfen in jedes Fass, um das Bier zusätzlich zu schützen.

Mit viel Hoffnung wurde das Bier auf die Reise geschickt und – entsprechend einer viel zitierten Legende – mit der Botschaft versehen, das Bier in Indien auf Normal stärke zu verdünnen. So kam das Bier in bester Qualität und schöner Aromatik in Indien an, die Bitterkeit hatte sich harmonisch eingebunden – und keiner hielt sich an das Verdünnungsgebot. Ein neuer Stil war geboren und der Grundstein für großen wirtschaftlichen Erfolg unseres Brauerfreundes George Hodgson aus Burton-upon-Trendgelegt. In England begann der Siegeszug des IPA aber erst knapp 50 Jahre später: Als 1827 ein Schiff für die Fahrt nach Indien bestimmt war, jedoch in der irischen See auf

Grund lief und dabei einige Fässer für die daheim gebliebenen Kehlen gerettet werden konnten. Der besondere Braustil wurde in Amerika und Europa populär und geriet dann wieder in Vergessenheit. Erst mit der US Craft Beer Revolution der frühen 1990er stieg er auf wie Phönix aus der Asche und seine Faszination ist bis jetzt ungebrochen.

Heute wird es in den unterschiedlichsten Varianten gebraut. Doch gemeinsam ist allen ein Alkoholgehalt jenseits der 6% bis zu über 10% und eine bittere Hopfenaromatik aus den über 200 verschiedenen Hopfensorten der Craft Beer Welt. Das IPA besticht durch ein breites komplexes Spiel verschiedener Aromen, in denen Bitterstoffe durch einen schönen Malzkörper ausbalanciert werden. Dadurch sind gute IPAs erstaunlich süffig und gut trinkbar.

Ein Prost auf die neue deutsche Biervielfalt mit einem exklusiven IPA– nun auch im S&P.