1. April 2016

ERÖFFNUNG CASPAR GARTEN

Aus Caspars neuem Garten

Mit Kaspar & Caspar

 

Caspar – Caspar Royko? Wer soll das denn sein, werden Sie sich fragen. Glaubten Sie doch bisher den Kreis derer mit dem Familiennamen Royko inzwischen alle zu kennen. Jetzt noch ein Caspar? Etwa ein Kunstgriff aus der Marketingkiste, um sich mit etwas Eigenem, ein wenig anders zwar, aber dennoch, auf dem Platz des namensgleichen anderen Kaspars ein wenig heimischer fühlen zu können?

Nein, so ist es nicht. Es gibt mich tatsächlich und deshalb stelle ich mich Ihnen in der gastronomischen Publikation meiner Nachfahren vor.

Geboren bin ich 1742 auf dem Landgut Mettau meiner Eltern, bei Marburg in der Steiermark. Jenem Landstrich in Österreich, in dem auch weitere Roykos nach mir das Licht der Welt erblickten. In meinem Geburtsjahr besetzt Kaiserin Maria Theresia Bayern, das erste vollständige Universallexikon aller Wissenschaften und Künste wird in 68 Bänden aufgelegt und Bach schreibt seine „Goldberg-Variationen“, die später einmal Glenn Gould auf dem Klavier kongenial interpretieren wird. Händels „Messias“ mit dem berühmten „Hallelujah“ wird in Dublin uraufgeführt. Jenem Teil des Oratoriums, mit dem, so habe ich mir sagen lassen, lange Jahre die Gäste des Sherry&Port allabendlich zum Aufbruch gemahnt wurden.

In den Folgejahren, in denen ich eine sorglose Kindheit in österreichischen Auen, Feldern und den Bergen verbringe, wird Madame Pompadour, als Maitresse Ludwig XV. an politischem Einfluss gewinnen, Balthasar Neumann den Bau der Benediktinerabtei Nerresheim beginnen, Georg Friedrich Händel u.a. sein Oratorium „Judas Makkabäus“ und die „Feuerwerksmusik“ schreiben. Wolfgang Amadeus Mozart sich aus Sternenstaub zu Irdischem materialisieren, der Haarbeutel aus der Herrenmode der Zeit verschwinden und erstmals Mikroorganismen als krankheitsauslösende Keime erkannt werden. 1763 ist mein Wissen dann, nicht zuletzt durch die herausragenden Anleitungen meiner treusorgenden Eltern und meiner diversen Hauslehrer, selbst soweit herangebildet, dass ich mich zur Aufnahme universitärer Studien an der Universität Wien einschreiben kann, um meine Studien in den Fächern Naturrecht, Kirchenrecht und Theologie aufzunehmen. Während ich mich als Studiosus fleißig mit der Analyse der Schriften in ihren Originalsprachen mühe, um 1766 durch meine Weihe zum Priester in den Stand der Geistlichkeit erhoben zu werden, geschehen im richtigen Leben, außerhalb universitärer Kreise, die wunderlichsten Dinge.

So wird im Staate Preußen das Salzmonopol festgeschrieben, Carlo Gozzi das italienische Märchenspiel Turandot schreiben, welches später Giacomo Puccini als Vorlage für seine gleichnamige Oper dienen sollte, Mozart im Alter von nur acht Jahren seine erste Symphonie komponieren und die Kartoffel, zwar schon länger bekannt, sich deutschlandweit als menschliches Nahrungsmittel etablieren.
Da der Dienst in verschiedenen Pfarren mich nicht vollends auszufüllen vermag, vertreibe ich mir die Zeit mit wissenschaftlichem Arbeiten und lehre zunächst als Professor für Logik, Ethik und Metaphysik  an der Universität Graz. 1782 beruft mich Kaiser Joseph II. wegen meiner besonderen wissenschaftlichen Reputation an die Hochschule in Prag, an der ich später das Amt des Dekans und das des Rectors Magnificus aller „Litterarischen Anstalten des Königreichs Böhmen“ angetragen bekomme. Einige wenige meiner Publikationen finden sich noch heute in der Allgemeinen Deutschen Bibliothek.

Als ich 1819 in Prag das Zeitliche segne, ist der Fidelio von Beethoven schon geschrieben, hat Napoleon sich bereits in Russland eiskalte Füße geholt, ist Goethes „Westöstlicher Diwan“ in gedruckter Version erhältlich und London erstrahlt im Licht einer Straßengasbeleuchtung, nicht zuletzt um späte Gäste aus gastlichen Häusern sicher in ihren Droschken heimwärts zu geleiten. Franz Schubert ist bereits bei Symphonie Nummer drei angelangt und hat uns sein Heideröslein überliefert.

Da studentisches Leben und Geistlichkeit sich trefflich hedonistisch vereinen lassen, bin ich nun nachgerade Experte, wenn es um Freude, Vergnügen, Lust, Genuss und Sinnlichkeit geht. Ein genetisches Merkmal, das ich auch den Meinen als Auftrag für Künftiges mitgegeben habe. Heute nun hat der Allmächtige ein Einsehen gehabt und es mir ermöglicht, mich von deren Entwicklung und jetzigem gastronomischen Treiben höchstselbst zu überzeugen. Und wo finde ich sie? Am Platz eines Namensvetters, Kaspar Kögler, der 1838 im Schatten von Schloss Molsberg im Westerwald  geboren worden ist. Just in dem Jahr, als Louis J.M. Daguerre erste Schritte unternimmt, um auf mit Silbersalzen beschichteten Metallplatten flüchtige Augenblicke für die Nachwelt zu erhalten und der erste britische Dampfer von Plymouth aus mit Richtung New York den Ozean befährt. Während seines bewegten Lebens als Künstler, das im Jahr 1923, dem Höhepunkt der Inflation in Deutschland, endet, waren auch Kögler die sinnlichen Freuden nicht fremd.

Als Bewohner des Hauses Adolfsallee 7 musste er dafür allerdings längere Wege in Kauf nehmen, weil es den nach mir benannten idyllischen Ort, direkt vor seiner Haustüre, leider noch nicht gegeben hat. Ich für meinen Teil bin meinem Schöpfer unendlich dankbar, dass er mich zur Observation des Treibens meiner Nachgeborenen an diesen Ort entsandt hat und er wird gute Gründe aufbringen müssen, mich wieder von hier weg zu bewegen. Wir werden uns also künftig das ein oder andere Mal von Angesicht zu Angesicht begegnen und gemeinsam die Gläser heben.

Darauf ein Caspar PILS, Frau Nachbarin und Herr Nachbar!                                                                   (ats)