30 Jahre Sherry & Port

Kinder, wie die Zeit vergeht.

Am 1. April vor 30 Jahren öffneten sich erstmals die Pforten des Sherry & Port und wurden sprichwörtlich neue Zeiten in der Wiesbadener Adolfsallee eingeläutet. Im Stil eines englischen Pub eingerichtet, gehörte damals auch eine über dem Tresen befestigte Glocke zum Inventar.

Tag täglich läutete sie das Geschäft ein und mahnte zu fortgeschrittener Stunde die Gäste zur „last Order“.

30 Jahre, 3 Jahrzehnte, die es mächtig in sich hatten. In der „Lokalgeschichte“ wie auch mitEreignissen, die mehr oder minder die Welt bewegten. Ein kleiner Rückblick in das Gesche- hen zeigt auf, wie schnelllebig unsere Zeit geworden ist. Manches haben wir längst verdrängt, manches ist in Erinnerung, als wenn es erst gestern gewesen wäre.

Anfang 1980 kam Farbe in die politische Landschaft: Die Grünen betraten das politische Parkett, nachdem sich bereits regional alternative poltische Gruppierungen gegründet hatten.

In Wiesbaden war dies „WiLi“ – die Wiesbadener Liste, die bei den Kommunalwahlen zumindest Achtungserfolge erzielen konnte. Für nationales Aufsehen sorgten WiLi-Aktivisten allerdings 1982 – die DACHO hatte wegen Finanznöten den Faschingsumzug abgesagt und so bildete sich ein „Notkomitee Wiesbadener Narren“ und beschloss, den größten Spaß seit der Erfindung von Wiesbaden zu veranstalten. „Locker, alternativ, lustvoll und übermütig“ sollte der alternative Umzug gestaltet sein und aus dem Motto ergab sich auch die Alternative zum traditionellen Narrenruf (Helau) – Lalü schallte durch die Gassen.

Immerhin 80.000 wollten den Umzug sehen und der ZDF-Länderspiegel berichtete Live wie auch in Farbe von der Abschlussveranstaltung auf dem Schlossplatz. Thematisiert wurden dabei u.a. die Startbahn West, Atomkraft aber auch städtische Themen wie Häuserabrisse in der Innenstadt.

Als am 1. April 1980 das Sherry & Port eröffnet wurde, berichtete zwar nicht der Länderspiegel darüber, zumindest jedoch die lokale Presse … aber auch die „Szene Wiesbaden“, Vorbild für viele später folgende Veranstaltungsmagazine. Es war wohl eher eine brotlose Kunst, solch ein alternatives Stadtmagazin zu publizieren – ihre Zubrot verdienten sich einige der Zeitungsmacher in den 80ern nämlich als Gläserknechte oder hinter dem Tresen des Sherry & Port.

Eine kleine Chronologie der vergangen 30 Jahre, selbstverständlich nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit …

1980 wird Schlöndorffs „Blechtrommel“ mit einem Oscarausgezeichnet, besteigt Beatrix den niederländischen Thron, werden die Bayern wieder mal Deutscher Meister und das Nationalteam Europameister. Reinhold Messner besteigt als erster Mensch den Mount Everest ohne Atemgerät, in Polen gründet sich die Solidarnosc, der erste Golfkrieg bricht aus, das Münchner Oktoberfest wird durch ein Bombenanschlag überschattet. Ronald Reagan wird neuer US-Präsident, Helmut Schmidt zum Bundeskanzler wieder gewählt. Die Musikwelt trauert um John Lennon.