LAST ORDER!

 

Nach 42 Jahren muss das Sherry dichtmachen

 

Ähh, wie bitte? Was? Das ist doch ein Scherz! Leider nein. Tatsächlich wird das Sherry & Port im nächsten Jahr seine Pforten schließen. Wie, wann und warum wollen wir in dieser Sonderausgabe unserer Lokalzeitung in der Folge erläutern.


Die ganze Geschichte beginnt bereits mit einem Aprilscherz. Am 1ten Vierten 1980 zog der erste Gast zum ersten Mal an der schweren Eingangstür und bestellte sich ein vermutlich alkoholisches Erfrischungsgetränk. Zu diesem Zeitpunkt waren die alten Roykos noch im Namen der Hansa in der Weltgeschichte unterwegs und ihre Kinder noch nicht einmal in Planung. Doch schon zwei Jahre und drei Monate später übernahmen Daggi und Gerd das Ruder in der Adolfsallee – nicht im Traume daran denkend, dass ihre zu diesem Zeitpunkt noch ungeborenen Kinder einst in weiter, w e i t e r Zukunft des Jahres 2021*, einmal gemeinsam diesen traurigen Artikel verfassen werden würden. Waren die zwei Streithähne bzw. Hühner doch ununterbrochen dabei, sich die Köpfe einzuschlagen.

Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert. Aus zwei deutschen Ländern wurde eins, aus dem scheidenden Kanzler Schmidt wurde die scheidende Kanzlerin Merkel. Und das Bier bezahlt man “nun” in Euro und nicht mehr in D-Mark. Auch diesen Text werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr Menschen digital auf ihrem Telefon irgendwo in Tokyo, Moskau oder Bierstadt lesen und nicht vor Ort im Sherry – in der Zeitung! Aus Papier! Gäbe es den Evening Star nicht schon seit 40 Jahren, es käme heute sicher keiner auf die Idee, ihn zu drucken.

Doch die größte Zäsur in der Geschichte der letzten vier Dekaden war für uns keine umgefallene Mauer in Berlin oder eingestürzte Hochhäuser in New York, keine Greta und kein Gorbatschow, keine Krise und kein Kohl, sondern ein Autounfall. Vor mittlerweile 27 Jahren war unsere Mum von heute auf morgen nicht mehr da und auch das Sherry musste von nun an ohne seine gute Seele auskommen.

Von nun an kümmerte sich Papa gute 20 Jahre alleine um Laden und Kinder – was ihm bravourös gelang. 2016 zog es ihn in den wohlverdienten Ruhestand. (“Halb zog es ihn…”) und wir durften das Zepter übernehmen. Nach so vielen Jahren voller Vertrauen alles aus der Hand zu geben und seine Kinder einfach machen zu lassen, können sicher nur ganz wenige.

Aus uns Kindern wurden Eltern und auch wir würden liebend gern irgendwann in weiter Zukunft unseren Kindern die Schlüssel zu der schweren Holztür übergeben. Doch es liegt nicht in unserer Hand. Womit wir beim “Warum” angekommen sind. Liest man in diesen Zeiten eine solche Überschrift eines gastronomischen Betriebes ist der erste Gedanke wahrscheinlich: Corona.

Doch es ist vielmehr so, dass ein jahrzehntelanger Mietvertrag ausläuft und das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter nicht schlechter sein könnte. Nach unzähligen Streitereien ist eine erneute Verhandlung über eine Vertragsverlängerung ausgeschlossen. Reden hilft bekanntlich – hier leider nicht.
Doch noch ist nicht Feierabend! Eine Wintersaison haben wir noch und da machen wir was draus! Der Caspar Garten schließt dieses Jahr am 9ten Oktober.

Im Anschluss gönnen wir uns eine Woche Betriebsferien, die wir auch nutzen wollen, um uns bestmöglich auf die letzte Wintersaison einzustimmen. Diese beginnt am Dienstag, den 19ten Oktober und geht bis zum 1ten April 2022. Da wir noch viel vorhaben, konzentrieren wir uns auf das Abendgeschäft an fünf Tagen in der Woche. Immer dienstags bis samstags ab 17 Uhr, wie früher. Und zwar wirklich wie früher, ohne Abstand und ohne Maske, dafür mit Livemusik, Gambas und Kölsch. Die einzige Chance, wie wir das noch einen Winter zelebrieren können, ist die 2G Variante, anders geht es nicht.

Corona bedingt ausgefallen ist auch der 40te Geburtstag vorletztes Jahr und der 41te dieses Jahres. In einer großen Sause beenden wir die letzte Wintersaison und feiern den 42ten unter dem Motto: Die Antwort auf alle Fragen.

Das Sherry macht dicht. So unglaublich der Gedanke auch ist, haben wir uns doch schnell an vieles gewöhnt, was noch kurz zuvor als unvorstellbar galt. Brexit, Trump, Lockdown, oder auch eine Bundesregierung ohne Merkel. Man kann ihn gar nicht oft genug zitieren, den guten Steppi: Lebbe geht weider.
Und wie! Es wird weitergehen im Caspar Garten – auch in weiter, w e i t e r Zukunft des Jahres
2060 (gleicher Zeitabstand*) wird man im Sommer rund um den Brunnen auf Kissen verweilen und kühles Caspar im Schatten der Kastanien trinken. Oder im Château Nero schön obbesitze und Neroberger schlürfend übers Städtchen gugge. Oder daheim auf dem Sofa schimmelnd, wenn es unverhofft nach Patatas mit Aioli lüstet, wird auch in Zukunft die Futterlogistik die All Time Classics aus der Sherry-Küche liefern.

Und ohne zu viel zu verraten, da kommt noch was und da kommt noch mehr…